eine neue Vision der Kunst

Tanz (2)

Was bewegt einen Menschen dazu, Tänzer oder Tänzerin zu werden? Hierfür mag oder kann es viele Gründe geben und dennoch bezieht sich der Hauptgrund auf die Tatsache, dass die betreffende Person es liebt, sich durch den Körper, den ganzen Körper auszudrücken. Warum auf diesem Weg und nicht anders? Weil der Körper am direktesten mit der Erde verbunden ist, und dadurch mit dem Rhythmus, mit dem Pulsieren des physischen Lebens. Über den Körper nimmt der Mensch am direktesten und am vollständigsten am Leben teil, und er kann so dieses Leben bis zum Tiefsten seines inkarnierten Wesens kosten. Dies gibt dem Menschen das Gefühl zu existieren und diesem rhythmischen Pulsieren, das durch ihn hindurchgeht, einen direkten und lebendigen Ausdruck verleihen zu können. Natürlich gibt es hier einen Unterschied zwischen den frei gewählten und ausgedrückten Bewegungen und dem Tanz, der präzise Bewegungen beinhaltet, eine Struktur, die man vorher zu lernen hat. Und dann hat die Art und Weise, auf die der Rhythmus, die Melodie und die Musik die Bewegungen des betreffenden Tanzes begleiten auch ihr Wort dabei zu sagen.

Seit Menschengedenken gehört der Tanz zur menschlichen Entwicklung, auch wenn diese Form der Kunst nur wenig greifbare, sichtbare Spuren im Verlauf der Geschichte hinterlassen hat. Wie kann man dennoch diese Schlussfolgerung ziehen? Indem man eine Parallele zieht zwischen der Entwicklung eines Kindes und dieser der Menschheit in ihrer Gesamtheit. Man stellt fest, dass ein Kind, sobald es laufen kann, es als erstes liebt, seinen ganzen Körper zu bewegen, sich durch ihn auszudrücken, Tanzbewegungen zu machen. Das Kind drückt seine Lebensfreude oder seine Freude, in einem Körper zu leben durch das Mittel der Bewegung, durch das Mittel des Tanzes aus. Dies kann uns die quasi absolute Sicherheit geben, dass die ersten Menschen sich auch mit dieser Kunst „vergnügten“; denn es handelt sich nicht um ein Kind hier oder da: die überwiegende Mehrheit der Kinder liebt es, sich durch Bewegung, durch den Tanz auszudrücken.

Dennoch können wir nicht sagen, dass diese Kunst des Tanzes eine kindliche oder grob vereinfachte Kunst ist. Wie bereits im ersten Teil der Exposés, die den Tanz betreffen, erwähnt, es ist genau diese Form der Kunst, die notwendig ist, um bis zum Gipfel seiner Perfektion gebracht zu werden, zu einem emotionalen, inneren, sehr tiefgehenden und ausgefeilten Leben: es ist die Dichte des physischen Körpers selbst, die das erfordert. Wenn wir auf der anderen Seite die Bewegungen, die Art in der das Kind sich allgemein bewegt beobachten, kann man auch feststellen, dass der Tanz für es eine soziale Angelegenheit ist. Ein Kind ist die meiste Zeit durch seine Umgebung eingeladen, sich zu bewegen oder zu tanzen, und es liebt es, dass diese Umgebung an seiner Spielweise teilnimmt. Auch wenn es Personen oder Kinder gibt, die völlig alleine tanzen können, im Grunde bevorzugen die meisten, sich dieser Kunst in der Gruppe hinzugeben. Auch da scheint der Verlauf der menschlichen Entwicklung oder der Geschichte diese Tatsache zu bestätigen: unseres Wissens nach sind die ältesten Tänze, die wir kennen heilige oder volkstümliche, folkloristische Tänze, die in Gruppen, oft in Kreisen ausgeführt werden.

Der Kreis ist eine Form, die im Prinzip verbunden ist mit dem Symbol der Sonne, in ihrer Beziehung mit der Erde. Gleichzeitig drückt der Kreis den Tierkreis aus, der unser planetarisches System umgibt, zu dem die Sonne gehört, mit dem Mond und allen anderen Planeten. Auf diese Weise beinhaltet oder drückt der Kreis die Erde oder die irdische Welt aus, umgeben vom Rest unseres Universums, mit der Sonne im Zentrum. Aber, der Mensch als Seele oder Göttliche Kreatur, trägt selbst in sich einen Funken, der ihn mit diesem Universum oder dieser Sonne verbindet. Deshalb fühlten sich die ersten Menschen, indem sie im Kreis tanzten, zu dieser Wahrheit oder Realität getragen, die sie übersteigt, das heißt zu der Tatsache, dass sie auf Erden platziert wurden, in diese physischen Welt, im Namen einer Intelligenz, eines Geistes, der sich an ihrem Ursprung befindet, und der sie nach oben, zu Ihm oder zu einem höheren Bewusstseins führt. Die ersten Tänzer waren auf diese Weise durch diesen instinktiven, intuitiven Gedanken motiviert: die Tatsache, durch ihre Bewegungen die Freude des Schöpfers und Seiner Schöpfung auszudrücken, von der sie Teil waren. Diese Männer oder Frauen hätten uns nichts über ihre Art zu tanzen erklärt, oder über die Natur ihrer Begleitung, die zuerst, am Anfang rein rhythmisch war. Sie hätten uns durch ihre Bewegungen und ihre Tänze, einfach und direkt diese Verbindung mit dem Schöpfer vermittelt, mit dem, das sich hinter dieser physischen Welt verbirgt, und sie hätten uns ihre Liebe für das Leben, die der Schöpfer ihnen eingehaucht hat gezeigt, die Freude zu sein. 

Mother

(Fortsetzung folgt)