eine neue Vision der Kunst

Zur Kunst

 

 

Kunst (I)

 

Wer weiß, wo die Kunst herkommt? Für manche ist es ein Zeitvertreib, ein angenehmer Moment, den man mit sich selbst verbringt. Deswegen sind die Künstler, die den größten Teil ihres Tageslaufs in einem Zustand verbringen können, der ihnen gesegnet erscheint, indem sie sich dem hingeben, was man als Muße ansehen kann, oder zumindest dem, was sie gerne tun, oft beneidet. Andere verbinden die Kunst mit der Welt des Kindes, noch ein gesegneter Zustand, eine Welt, ohne allzu viel Verantwortungen und ohne wirkliche Arbeit. Wenn man die Reflektion weiter vorantreibt, kann man sagen, dass die Kunst sich mit einer idealen Welt zu befassen scheint, in welcher die Wesen und Dinge idealisiert und zu mehr Ästhetik, Schönheit und Vollkommenheit gebracht werden. Es gibt etwas Wahres in jeder dieser Reflektionen, und dennoch berührt keine das Essenzielle dessen, was die Kunst in ihrem tiefsten Sinn bedeutet, das wahre Ziel der Kunst und warum sie geschaffen wurde. 

 

Der moderne Philosoph wird sagen, dass es nicht möglich ist, zu wissen, woher die Kunst kommt und warum sie in der Welt existiert. Für ihn ist ihre Existenz ein simpler Fakt, dem der Mensch selbst einen Sinn gibt. Jedoch, warum scheint die gegenwärtige Kunst ihren Sinn, ihre Mission verloren zu haben? Natürlich hängt alles vom Sinn oder von der Mission ab, die man ihro zugestehen würde, aber darüber hinaus kann niemand leugnen, dass die Kunst in der modernen Welt etwas verloren zu haben scheint: ihren ästhetischen Sinn. Seit 100 oder 150 Jahren hat sich die Kunst schrittweise mehr in die Richtung der Originalität als in die des Sinnes für die Schönheit entwickelt. Von der Mehrzahl der Kreationen können wir derzeit sagen, dass die originell sind, aber das Wort “schön” kommt uns nur selten in den Sinn. Warum? Weil das Ziel des Künstlers nicht mehr ist, einer Welt, einer Realität näher zu kommen, die über die menschliche Realität hinaus geht, und von der die alten Griechen diesbezüglich von einer Welt gesprochen haben, in der die Ideen zirkulieren. Für Platon waren diese Ideen verbunden mit einer universellen, Göttlichen Struktur, die danach strebt, sich in der physischen Realität zu konkretisieren.

 

Aber woher weiß man, ob das eine göttliche Idee ist, die sich vor uns konkretisiert, oder etwas anderes? Für die alten Griechen war es die Schönheit, die als Maß diente, es war das Prinzip der Schönheit, das erlaubte, den inneren Wert der Objekte und Kreaturen abzuwägen und zu ermessen, und für sie war dieses Prinzip lebendig, real. Eine philosophische Idee wurde im konkreten Leben in eine lebendige Realität umgesetzt, und die alten Griechen fühlten intuitiv, ob das, was sich vor ihnen befand, sich dem ursprünglichen Prinzip der Schönheit näherte oder nicht.

 

Zu Beginn der Blütezeit der griechischen Zivilisation, war dieses Prinzip noch nicht an eine Form oder äußere Erscheinung gebunden, wie es das später wurde. Im alten Griechenland war Schönheit ursprünglich ein Prinzip innerer Ordnung, ein moralischer Wert, der sich dann eventuell auch in der Form zeigen konnte. Aber die äußere Manifestation war nicht zwingend. Das Wichtigste war, dieses Prinzip innerlich zu finden und zu leben; danach könnte diese ursprüngliche Idee, diese Schönheit, mit mehr oder weniger Vollkommenheit in der Form, sichtbar zum Ausdruck kommen. Später hat die äußere, physische Vollkommenheit die Oberhand über die Größe oder den moralischen inneren Wert, der ihr vorausgeht, gewonnen, und das hat zum Niedergang der griechischen Kultur geführt.

 

Wir haben gesagt, dass in der modernen Welt das Prinzip der Schönheit seit anderthalb Jahrhunderten fallengelassen wurde. Aber was bedeutet das und wie können wir dieses Prinzip in der Zukunft durch eine konstruktive Bewegung wiederfinden?

 

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