eine neue Vision der Kunst

Musikalische Forschung auf dem Gebiet der Klassik

 

 

 

Seit mehreren Jahren führe ich eine musikalische Forschung auf dem Gebiet der abendländischen Klassik und der, anderer Länder durch. Diese Forschung gehört zu einer umfangreichen Arbeit, die sich auf die Funktion und das Ziel der Musik in der Welt bezieht, durch alle Epochen hindurch bis heute. Mein Vorhaben entstand aufgrund der Frage nach der Sackgasse, in der sich die Welt der Musik gegenwärtig befindet: Wohin gehen wir? Um auch nur teilweise auf diese Frage zu antworten, ist es notwendig, wieder an den Anfang des Phänomens zurückzugehen, an dem die Dinge begonnen haben sich zu verändern und sogar abzuweichen. Die nicht-klassische Musik befindet sich ebenfalls in einer Art Stagnation, jedoch wollte ich meine Forschung zuerst auf die klassische Musik ausrichten, weil auf diesem Gebiet die Schwierigkeit von einer besseren Perspektive her betrachtet werden kann, und auch, weil sie die Älteste aller ist – vorher waren dies die Folklore oder religiöse Musik (im Mittelalter und davor).

 

Ich habe meine Forschung daher auf die klassische Musik konzentriert und analysiert, wie sie sich im Verlauf der letzten 5 Jahrhunderte, vom Ende des Mittelalters bis in unsere heutige Zeit entwickelt hat. Dabei stellte ich fest, dass die bedeutendste Änderung im Okzident zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschah, mit einer Übergangszeit von etwa 50 bis 60 Jahren, zwischen 1870 und 1930. [1]

 

Ich dachte also, zuerst wieder an diesen Punkt des Risses, zwischen 1870 und 1930, zurück zu gehen.

 

Die Frage kam auf: Was hat die Komponisten dazu veranlasst, die alten Regeln fallen zu lassen, und warum hat diese Befreiung nicht eine noch mehr « harmonische » Musik hervorgebracht? Sollte diese Überfülle an Missklängen, oder ganz einfach die Dissonanz ansehen werden als die neue Harmonie, an die wir uns einfach nur zu gewöhnen hätten? Auf dem Weg, der uns in Richtung neuer musikalischer Horizonte führt, hat uns die Tatsache dieses Bruches mit dem alten tonalen System bisher (noch) keine wahrhafte Lösung gebracht. Ein Fortschreiten auf diesem Weg, auf dem auf harmonische Strukturen verzichtet wird, so wie es seit Bach bis heute geschieht, wird diese Situation immer nur weiter verschlimmern. 

 

Um den ersten Teil der oben gestellten Frage beantworten zu können, beschloss ich, mich in einige der Komponisten, deren Werke zwischen 1870 und 1930 erschienen sind, gewissermaßen hineinzuversetzen. Ich entschied mich für eine etwas ungewöhnliche Methode, die darin besteht, Worte (Texte in Prosa oder Gedichtform) auf einige ihrer Kompositionen zu setzen, obwohl die meisten ursprünglich nicht zum Singen bestimmt waren. Meine Wahl entstand zumeist aus dem Gefühl heraus: Ich setzte ein Wort irgendwo auf die Partitur, um die musikalische Atmosphäre des Stückes zu finden. Ich habe nur 4 Werke mit Begleitung gewählt, auf die bereits eine Melodie (Singstimme) und Worte (in Gedichtform) gesetzt waren. Es handelt sich um « Beau soir » (Schöner Abend) von C. Debussy, um « Hébé » und « Temps des lilas » von E. Chausson und um « Spectre de la rose » von H. Berlioz. Wobei ich mir in allen Fällen erlaubt habe, sowohl die Melodie als auch die Worte zu ändern und nur die Begleitung beizubehalten. 

Darüber hinaus konnte ich nicht immer das Originalwerk in seiner vollen Länge aufrechterhalten, und ich musste oft die Einleitung in eine gesungene Version ändern. Das heißt, ich habe die originale Schöpfung respektiert, was mich gerade dazu gebracht hat, tief in das Leben des Komponisten einzutreten, um mit seiner Ausgangs-Idee zu verschmelzen. Und hier ist, was ich bisher gefunden habe:

 

  1. Die Komponisten, deren Werke ich verwendete, haben nicht vollständig mit den alten Regeln, Gepflogenheiten und Traditionen gebrochen. Sie haben sich in ihren Kompositionen einige « Ausgänge » erlaubt, in diesem Sinne, dass sie sich die Freiheit herausnahmen, gegen eine Regel zu verstoßen oder mit einer musikalischen Struktur zu brechen, die sie zuvor benutzt hatten, um einige Takte weiter wieder zu ihnen zurück zu kehren. Tatsächlich beruhen alle Stücke auf einer alten musikalischen harmonischen Struktur, die alle üblichen Regeln der Komposition erfüllt, abgesehen von den Versuchen der Regelbrechung, basierend auf dem, was ich als eine Form des intellektuellen „Einfallsreichtum“ erlebt habe. Unter diesen modernen Komponisten bleibt Hector Berlioz am nächsten an der Tradition. Eric Satie bricht besonders deutlich mit der Struktur, und Jaques Ibert drängt seine « Ausgänge » am weitesten hinaus.

 

  1. Im Gesamtvergleich der Werke dieser Komponisten stellte ich fest, dass die Werke von Eric Satie am radikalsten mit der musikalischen Tradition und mit der Grundstruktur der harmonischen Regeln gebrochen haben, was schließlich in einigen Fällen in „Wahnsinn“ und Zusammenhanglosigkeit endete.

 

Die Schlussfolgerung, die ich aus dieser Forschung ziehe, ist, dass die Komponisten, die den Zeitraum zwischen 1870 und 1930 prägten, eine neue Form des „Einfallsreichtums“ und „Kreativität“ einleiteten. Beim Vergleich ihrer Werke mit denen, die bis dahin existierten, entdeckte ich, dass der Wunsch mit der Tradition zu brechen den Komponisten dazu trieb, seinen Intellekt zu verwenden, um sich von den festgelegten Regeln zu befreien und von sich selbst aus zu erschaffen; aber er riskiert gleichzeitig den Kontakt zum Festland der Harmonie zu verlieren, das bis dahin regierte. Ich schließe daher daraus, dass die Grundstrukturen und alten Regeln einer anderen Quelle als dem menschlichen Gehirn entspringen, dass sie ihren Ursprung in einer Welt, in einer Kraft, in einer Intelligenz haben, die den Menschen übersteigt. Ich denke, es ist zwingend notwendig, den Weg wieder zu dieser Quelle zu finden und durch sie (Dank unserer mentalen Fähigkeit) die Inspiration, um die Aufgabe, die vor uns liegt erfolgreich zu erfüllen. Alleinig unserem intellektuellen „Einfallsreichtum“ folgend, kommen wir nicht weiter. Wenn es möglich wäre, hätten wir in den letzten 80 Jahren Beweise dafür erhalten.

 

Möge diese Quelle mich für die nächsten Schritte auf diesem Weg wohl inspirieren. Für den Moment bringe ich Ihnen von ganzem Herzen die Früchte meiner Forschung dar, mithilfe der Komponisten, auf die ich hingewiesen habe, und denen ich von ganzem Herzen für ihre Arbeit danke.

 

Mother   

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[1] Bis vor kurzem wurden in den restlichen Teilen der Welt die alten Regeln, auf denen die klassische Musik beruht fast überall weiter, wie vorher, verwendet. In diesem Sinne kann man sagen, dass wenige (bis keine) der neuen klassischen Stücke den alten Regeln entsprechend komponiert wurden; man hat am häufigsten aus dem von alters her bekannten Repertoire geschöpft.

Schließlich hat sich in der Tradition der nicht-okzidentalen Musik das Wiederaufleben durch die teilweise oder vollständige Abschaffung der alten Regeln gezeigt. Das hat die gleichen Probleme hervorgerufen wie bei uns, nämlich den  erheblichen Verlust der Schönheit und der Harmonie.

 In der restlichen Welt hat man mehr noch als im Okzident versucht, die Klassik mit der modernen Musik zu „verheiraten“, häufig mit sehr okzidentaler Koloratur. Im Okzident und allgemein blieben die klassische und nichtklassische Musik sehr deutlich voneinander getrennt.

Ab 1900 begann sich die Welt der okzidentalen klassischen Musik allmählich von den alten Regeln zu verabschieden, vor allem von der Tonalität, um zwischen den beiden Weltkriegen in der Zeit der Atonalität einzutreten und auch dort bis heute zu bleiben.

Die alten Regeln der Harmonie und die Tonleitern wurden abgeschafft, um Platz zu machen für mehr Freiheit ohne Grenzen. Obwohl gänzlich von dieser Freiheit Gebrauch gemacht wurde, sind die Ergebnisse nicht überzeugend, weil man sich fragt, wo die Harmonie und die Schönheit sind Die neuen Stücke sind intellektuell interessant, aber was fühlen unsere Herzen? Eine andere musikalische Bewegung versuchte zu den Regeln und Kriterien (Klassik) von früher zurückzukehren, aber das war kein wahrer Erfolg. Wo ist also die Lösung?